Stan Soldan „Pomaden sind meine Leidenschaft!“

Ob Cary Grant, Rock Hudson, Clark Gable, Lex Barker oder Elvis Presley – sie waren für Stan Soldan, Inhaber von PomadeShop, der Inbegriff unverwechselbarer Eleganz. Einmal das Haar, wie diese großen Schauspieler der 30er und 40er Jahre frisiert haben – glänzend, geschwungen und stilvoll – das war das anfängliche Ziel. Dies gestaltet sich zu Beginn für Stan Soldan nicht ganz einfach: Dass er sich dafür zunächst Honig oder Flüssigseife ins eigene Haar schmiert, zeigt mehr als deutlich: Experimentierfreudig ist er in jedem Fall! Es dauert eine ganze Weile, bis er tatsächlich auf die „Pomade“ stößt, die ihm zu dem Hairstyle verhalf. Doch kaum hat er sie für sich entdeckt, ruft er online den „PomadeShop“ ins Leben, in dem er die Pomaden glanzvoll inszeniert. Damit geht er nicht nur seiner persönlichen Leidenschaft nach, sondern legt die Weichen für seine eigene Produktlinie Dapper Dan, die heutzutage aus den Bädern wahrer Pomadefans nicht mehr wegzudenken ist. Schließlich eröffnet er im Herzen Münchens den ersten PomadeShop, indem er uns mit einem freundlichen Lächeln und perfekt geschwungenen Haaren empfängt.


CUTwalk:
Hallo Stan! Wie schön, dass wir Dich besuchen dürfen. Eine Frage gleich vorab: Wo kommst Du ursprünglich her?

Stan Soldan: Ich komme ursprünglich aus Tschechien und bin hier in Deutschland, zunächst mit wenig Deutschkenntnissen in die Schule gegangen. Dennoch ist es mir gelungen mein Studium zu absolvieren und nebenher eine Marketingagentur zu gründen. Schon da wurde mir schnell bewusst, wie viel Spaß es mir eigentlich machte, Marken aufzubauen und Werbung für sie zu machen. Danach wollte ich einfach einmal ausprobieren, Produkte die völlig in Vergessenheit geraten waren, wieder bekannt und beliebt zu machen. Hier habe ich vor allem an Pomaden und Hairtonics gedacht, die ich mit viel Begeisterung und Leidenschaft neu platzieren und verfügbar machen wollte.

der Showroom

CUTwalk:
Das ist sehr außergewöhnlich. Wie kam es dann letztendlich dazu, dass du dich konkret für Pomaden entschieden hast?

Stan Soldan:
Ich war immer begeistert von alten Filmen und Schauspielern der 30er, 40er und 50er Jahre. Vor allem die Haare der Herren, haben mich immer unglaublich fasziniert. Es folgte also die Probe aufs Exempel und ich versuchte mit viel Haargel ein Styling hinzubekommen. Das klappte natürlich nicht, weil meine Haare dadurch sehr hart und brüchig wurden. Ich war also meilenweit von den Haaren meiner Vorbilder entfernt, die in ihrer Struktur „Klavierlack“ ähnelten. Irgendwann erzählte mir mein Vater, dass er als kleiner Junge mit Brillantine gestriegelt wurde – doch das war nicht aufzufinden. Letztlich fiel dann der Begriff „Pomade“. In Sydney bin ich zum ersten Mal auf die Pomaden „Murray’s Superior Pomade“ und „Sweet Georgia Brown Hair Dressing Pomade“ gestoßen, habe aber nicht gewusst, wie ich diese anwenden sollte, da die Anleitung auf der Dose sehr knapp war. Folglich schmierte ich mir viel zu viel in die Haare. (lacht) Ich habe ausgesehen wie eine Ölsardine! (lacht) Es war ein langer und manchmal sehr lustiger Weg und ich habe wirklich viel ausprobieren müssen, bis ich den Dreh heraus hatte und es schließlich den Kunden auf der Webseite präsentieren konnte.

CUTwalk:
Nun ist es ja die eine Sache, Pomaden im eigenen Haar anzuwenden... Kannst Du uns konkret schildern, wie Du schließlich auf die Idee für einen Onlineshop gekommen bist?

Stan Soldan:
Ursprünglich war die Idee eines Onlineshops überhaupt nicht da, weil ich eigentlich ganz zufrieden damit war, dass ich an meine Pomaden gekommen bin. Allerdings fehlte mir bei jedem Griff nach einer Pomade die entsprechende Produktbeschreibung, die zum Beispiel Auskünfte über die Inhaltsstoffe oder die Anwendung gab. Leider wussten die Mitarbeiter verschiedener Anbieter auch nicht Bescheid und allmählich kam mir die Idee, mittels eines Onlineshops, all den Leuten da draußen zu erzählen, wie toll Pomade eigentlich ist, wie man sie anwendet und welche Inhaltsstoffe sie besitzen. Schließlich gab mir Holger, ein Schulfreund, den entscheidenden Anstoß und sofort machte ich mich an die Arbeit und ich begann zunächst mit einer intensiven Recherche. Rasch erhielt ich zahlreiche Emails, in denen ich gefragt wurde, ab wann man die Pomaden nun bestellen konnte. Gleichzeitig kam schnell der Wunsch auf, Fotos über die Anwendung der Pomaden zu zeigen, wo ich dann – ganz simpel – Fotos von meinen eigenen Haaren gemacht habe. Es geht mir aber vor allem auch darum, ein Gefühl für die Produkte zu vermitteln. Dies gelingt vor allem über die Texte und die Optik der Webseite. Ich bin bis heute stets bemüht alles zu übermitteln, was die einzelnen Pomaden und Produkte ausmacht und was wissenswert ist. Mein stilechtes Logo wirkt schnell entworfen, ich arbeitete aber nächtelang daran, wie auch an der Website und die gesamte Grafik, die ich selbst gestaltet habe. Auch bei der Auswahl der verschiedenen Schriften und Farben wollte ich einen Zeitsprung machen und habe letztlich sogar die Banner selbst entworfen.

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CUTwalk:
Das bedeutet also, dass sich Deine gesamte Philosophie und Deine persönliche Leidenschaft auf die Seitengestaltung niedergeschlagen haben. Wie haben die ersten Kunden darauf reagiert?

Stan Soldan:
Das Feedback der Kunden war gigantisch! Schließlich lebe ich die Produkte, die ich präsentiere, kenne sie genau und stehe für sie. Als ich mir aufgrund der großen Nachfrage dann auch externe Hilfe holte, kam ich in eine leichte Schieflage, weil die externen Mitarbeiter sich nicht so gut mit den Produkten und der Idee auskannten. Entsprechend haben die Texte und Bilder die komplette Leidenschaft vermissen lassen, sodass ich wieder selbst Hand anlegen musste. Das ist mir zum Glück sehr gut gelungen!

CUTwalk:
Natürlich gibt es auch die sozialen Medien, die Du für Dich nutzen konntest. Auf Facebook konnten die User lange Zeit ihr privates Badezimmer und ihre Produkte präsentieren, die sie selbst anwenden. Das stieß auf eine immense Begeisterung und die Beteiligung war sehr groß. Woher kam Dir die Idee dazu?

Stan Soldan:
Ursprünglich steckte witzigerweise keine Geschäftsidee dahinter, denn ich bin ein sehr schlechter Geschäftsmann (lacht). Es ging zuerst einmal darum, die Leidenschaft zu wecken und die Informationen über die Produkte weiterzugeben. Als ich am Anfang stand und meinem Freundeskreis eröffnete, dass ich Pomaden verkaufen wollte, fragten mich alle, wie ich damit Geld verdienen wollte. Ihre Bedenken fußten auf der Tatsache, dass sehr geringe Mengen von Pomade genügen, um die Haare in Form zu bringen. Und ist die Pomade einmal gekauft, kann sie problemlos 2-3 Jahre aufbewahrt werden. Mein Gegenargument war ganz einfach: Pomade ist wie ein Parfüm. Man benutzt sie je nach Tagesform, um damit den eigenen Charakter zu betonen und den persönlichen Stil zu unterstreichen. Es war „Mann“ mit der Facebook-Aktion schließlich online möglich, sich selbst und sein kleines Reich mit den verschiedenen Pomaden, Hairtonics und Aftershaves zu präsentieren. Sehr, sehr viele Kunden von uns verdrängen förmlich mittlerweile die eigene Frau aus dem Badezimmer (lacht).

CUTwalk:
Seit Herbst 2015 hast Du Dich von der Idee des „reinen“ Onlineshops ein wenig gelöst und hier in München zusätzlich einen festen Standort etabliert, um Pomaden und Pflegeprodukte an den „Mann“ zu bringen. Welche Gründe gab es hierfür?

Stan Soldan:
Die Begründung hierfür ist im Prinzip sehr einfach: Meine Verlobte Monika hatte in mir diese Idee gespürt und mich motiviert loszulegen. Denn mit dem festen Standort geht es mir darum den Onlineshop lebendig werden zu lassen. Bereits von außen spürt man die Nostalgie und Begeisterung, drinnen spielt je nach Tageszeit Musik der 1930-60er, es duftet nach Pomaden, Hair Tonics und Parfums. Unsere Kunden sind total begeistert, sie lieben die Athmosphäre in unserem Laden und kommen extra um uns live zu treffen. Wir sind derzeit übrigens in verschiedenen Gesprächen, demnächst auch weitere PomadeShops an anderen Standorten zu eröffnen. Es bleibt also spannend. 

Elena Johanna und Laura vom Service

CUTwalk:
Toll! Dein Erfolg ist nicht zu übersehen. Wer gehört inzwischen zu Deinem festen Kundenkreis?

Stan Soldan:
Wir bedienen inzwischen nicht nur die Endverbraucher, sondern glücklicherweise auch die Friseure und Babershops, die uns konkret fragen, ob sie unsere Produkte beziehen dürfen. So zum Beispiel die Barber von Schorem aus Rotterdam, die ihre Produkte ebenfalls bei uns kaufen, da nirgends sonst in Europa, so viele verschiedene Produkte geboten und inszeniert werden. Auf den Messen werden wir seit der Gründung des Onlineshops 2008, von den Friseuren und Barbern förmlich überrannt, da sie von der Anwendung, der Geschichte und dem Konzept der Pomaden begeistert sind. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Friseuren und Barbern haben wir Exklusivverträge mit den Herstellern, da sie unsere Arbeit schätzen und wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.  

CUTwalk:
Das Thema Barbering boomt in Deutschland. Inwieweit spielt das eine Rolle für Dich?

Stan Soldan:
Nun, wir präsentieren mit Pomadeshop die Welt der Männer in den 30er, 40er und 50er Jahren. Zu der damaligen Zeit herrschte eine strikte Trennung der Geschlechter, die wir auch heute in der Entwicklung des Herrengeschäfts spüren: Mann wird wieder zu Mann. Nicht umsonst ist der Bart wieder voll im Trend! Dies äußerst sich auch in den Haarschnitten und dann aber auch in der Bandbreite der Produkte, die er für sich nutzt. Wir im PomadeShop unterstützen die Herren tatkräftig, denn wir zeigen den Männern, wie sie anhand verschiedener Produkte wieder Männer sein können.

CUTwalk:
Das gelingt Dir ja auch vor allem mit deiner Eigenmarke Dapper Dan! Wie kam es zu der Eigenmarke?


Stan Soldan:
Dapper Dan ist mein persönliches Highlight, da sie ihre Wurzeln in dem Film „O Brother, Where Art Thou“ hat. Der Hauptdarsteller George Clooney, spielte den Flüchtigen „Everett“, der süchtig nach der Pomade Dapper Dan ist. 
Diese Pomade gab es nicht, da es sich nur um eine fiktive Marke handelte! Meine Anfragen bei Universal Pictures, Disney Pictures etc. blieben erfolglos, wonach ich den Namen schützen ließ und die Pomade schließlich selber hier in Deutschland hergestellt habe. (lacht) Wir haben dann aus Spaß die zweite Pomade aus dem Film produziert: FOP. Es ist im Film das Anti-Produkt. (lacht) Beide Produktlinien sind heute absolut erfolgreich. Das liegt daran, dass ich mich sehr stark mit den Rezepturen befasst habe: Ich habe originale Bücher aus den 20er und 30er Jahren über Pomaden und das Friseurhandwerk gewälzt, in denen ich auf Rezepturen für Haaröle, Hairtonics oder Brillantinen gestoßen bin. Auf dieser Basis habe ich dann die Pomaden herstellen lassen! Mit vollem Erfolg! Für die Hairtonics arbeite ich mit der tschechischen Traditionsfirma Alpa zusammen, die 1913 gegründet wurde. Inzwischen verfügen wir über ein sehr breites Sortiment, mit Dapper Dan Bartölen, Dapper Dan-Haarbürsten, Kosmetikartikel und wir bahnen einen Weg in den Bereich Textilien im Stil der 30er: Erste Hemden sind schon erhältlich und inzwischen auch Hosen, Gürtel oder Schiebermützen. Es bleibt immer spannend!


CUTwalk:
Tausend Dank für Deine Zeit Stan! Wir haben einen tollen Einblick in die Welt der Pomaden bekommen! Wir können nur sagen: Dein Wissen muss irgendwann zu Papier gebracht werden…

Mehr Informationen:
www.pomadeshop.com

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