„Ich stelle mich sehr gerne neuen Herausforderungen!“ – Simone Kreischer

Mit der stetigen Orientierung am Puls der Zeit gilt Simone Kreischer mit ihren künstlerischen Qualitäten schon lange als feste Instanz, wenn es um die kreativen Inszenierungen auf der Bühne geht. Mit unaufhörlichem Elan verstärkt sie ihre internationale Präsenz auf zahlreichen Fashion Weeks u.a. in Paris und Mailand. Bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin präsentierte sie zuletzt im Juli 2014 erneut über 35 Modenschauen exklusiver Designer. Dennoch, verrät sie uns, schlägt ihr Herz auch für ihren Geburtsort Karlsruhe und dem alltäglichen Salonbetrieb, der genährt durch die originellen, internationalen Impulse stetig vorangetrieben wird.

CUTwalk:
Ihre Präsenz auf internationaler Ebene ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wir wollen zunächst einmal fragen, wann konkret Sie sich für den Beruf entschieden haben?

Simone Kreischer:
Das war im Jahr 1987 und wurde damals ein Stück weit von meinem Vater in die Wege geleitet. In der Endphase meiner Schulausbildung fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte den Friseurberuf zu erlernen. Nach meinem Abschluss habe ich dann direkt bei der Akademie der Friseure Meininghaus mit einem Lehrlingsseminar begonnen. Dort habe ich wirklich rasch gemerkt, dass mir der Friseurberuf sehr gut liegt und ich mich dafür begeistern kann. Danach hatte ich das Glück bei der Firma Goldwell anfangen zu können. Dort wurden damals Lehrlinge ausgebildet, die in den vorhergesehenen Testssalons direkt an Kunden arbeiten durften. Dadurch hatte ich relativ schnell unmittelbaren Kundenkontakt und vor allem praktische Erfahrung. Diese Zeit war wirklich sehr schön, denn ich hatte dort also keine Ausbildung im klassischen Sinn. Im Zuge einer Kooperation mit L'Oréal war es mir möglich, meinen Werdegang in Paris bei Franck Provost fortzusetzen. In seinem Stammsalon über drei Etagen herrschten eine extrem gute Organisation und ein beispielloses Management. Das hat mich seinerzeit außerordentlich fasziniert und prägt mich auch heute noch entscheidend.

CUTwalk: Franck Provost ist demnach eine wichtige Figur in Ihrem beruflichen Werdegang. Gab es noch andere Akteure?

Simone Kreischer: Ja, vor allem meine Arbeit bei Hervé Boudon. Er hat mich im Nachhinein wirklich am meisten geprägt. Obwohl es ein sehr kleiner Salon war, lernte ich dort eine ganz andere, völlig untypische Arbeitsweise kennen: Er besaß keine Modellbücher im Salon. Er hat seinen Kunden alles aufgezeichnet und hat nicht auf Vorlagen zurückgegriffen! Das ist schon eine enorme Leistung. Und obwohl er alle 15 Minuten neue Kunden hatte, war er trotzdem hochpreisig. Das war eine Arbeitsweise, die ich bis dahin einfach nicht gekannt habe und auch von den vorherigen Salons nicht gewohnt war. Daher war alles sehr, sehr spannend. Im Anschluss daran war ich bei Toni&Guy im Salon tätig, wo ich wieder sehr praxisnah arbeiten konnte, um dann mein gesamtes Erfahrungsspektrum im Salonalltag umzusetzen.

CUTwalk: Sie haben sich also unmittelbar danach selbstständig gemacht. Aber warum gerade hier in Karlsruhe und nicht in einer Fashion-Metropole?

Simone Kreischer: Karlsruhe ist meine Heimat. Und obwohl ich in meinem Beruf dem stetigen Wandel der Zeit ausgesetzt bin, halte ich persönlich auch sehr gerne an Ursprüngen fest. In Karlsruhe sind meine Wurzeln und in diesem Fall konnte ich den Salon meines Vaters hier in Karlsruhe übernehmen, wonach ich dann schon recht bald den zweiten Salon eröffnet habe. Mit einem rund 30-köpfigen Team in beiden Salons bin ich von Dienstag bis Samstag mitten im Geschehen, empfange sowohl die langjährigen als auch die neuen Kunden. Das ist ein sehr schönes Gefühl für mich!



CUTwalk: Sie führen demnach zwei Salons hier in Karlsruhe. Verfolgen Sie auch unterschiedliche Konzepte in den jeweiligen Salons?

Simone Kreischer: Nein. Da habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Es sind dieselben Konzepte, mit dem gleichen Kundenservice. Unterschiedliche Konzepte zu verfolgen empfinde ich in diesem Fall als eher schwierig und letztlich stellt sich mir persönlich auch die Frage, warum die Kunden in dem einen Salon mehr zahlen sollen, als in dem anderen.

CUTwalk: Bilden Sie in Ihren Salons die Mitarbeiter auch selber aus?

Simone Kreischer: Ja. Natürlich bieten wir motivierten Friseuren eine Ausbildung an. Darüber hinaus bieten wir für unsere Mitarbeiter in regel-mäßigen Abständen interne Schulungen und Seminare an, um die Qualität in unseren Salons weiter zu verbessern.

CUTwalk: Inwieweit sind Sie in Ihren Salons vom Mangel der nachkommenden Auszubildenden betroffen?

Simone Kreischer: Davon bin ich persönlich nicht betroffen. Die Nachfrage ist sogar eher sehr groß, wodurch mein Bruder Ralf und ich sehr selektiv vorgehen müssen. Da spielen dann persönliche Eigenschaften der Bewerber und Auszubildenden eine sehr große Rolle, da wir versuchen Werte zu vermitteln, die uns persönlich sehr wichtig sind.

CUTwalk: Sprich, Sie erwarten von Ihren Auszubildenden gewisse Eigenschaften. Können Sie uns hier ein paar Beispiele nennen?

Simone Kreischer: Natürlich. Im Prinzip sind es traditionelle Tugenden, da ich fest davon überzeugt bin, dass in diesem Beruf eine gewisse Disziplin erforderlich ist, um qualifizierte Arbeit zu leisten. Nur wer diszipliniert und stetig an sich arbeitet, kann auch gleichbleibend und langfristig erfolgreich sein. Auch Schlagworte wie „Pünktlichkeit“ oder „Schule“ sind für mich von großer Bedeutung. Natürlich sind nicht jedem Einzelnen alle Charaktereigenschaften in die Wiege gelegt. Dennoch sollte sich jeder, der sich für diesen Beruf entscheidet wissen, dass Stillstand und Ordnungslosigkeit dem Erfolg im Weg stehen.

CUTwalk: Erfolg ist ein tolles Stichwort, an das ich gleich knüpfen will: Nun sind Sie Inhaberin der gefragten Karlsruher IN-Salons und in den vergangenen Jahren durch Ihre internationalen Auftritte zu einer echten Fashion Week-Expertin gereift. Welche Eigenschaften bringen Sie dadurch mit?

Simone Kreischer: Hier kann ich konkret zwei Dinge nennen: Erstens, eine gewisse Lässigkeit und zweitens, eine neue Denkweise. Damit ist gemeint, dass gerade bei Fashion Weeks manchmal durchaus Frisuren über den Laufsteg gehen, die aussehen, als hätte man sie morgens beim Duschen mit einem einzelnen Haargummi kreiert. So eine Frisur überhaupt als „Frisur“ zu empfinden – das lernt man auf den Fashion Weeks. Es ist ein sehr prägendes Erlebnis und eine schöne Erfahrung, nicht zuletzt auch deswegen, weil man gleichzeitig tolle neue Techniken lernt und einen regen Austausch mit KollegenInnen aus der Branche hat.

CUTwalk: Bedeutet dass gleichzeitig, dass Sie die Techniken und Trends in Ihren Salons umsetzen?

Simone Kreischer: Sicherlich. Die Lookbooks liegen bei uns für alle Mitarbeiter aus. Das ist wirklich sehr gut, denn sie präsentieren die Frisuren und Techniken im genialen Step-by-Step Format. Meine Mitarbeiter schauen sich das natürlich an und können die einzelnen Schritte verfolgen und verinnerlichen. Gerade bei Veranstaltungen achte ich darauf ein Team mitzunehmen, das sich den Herausforderungen stellen und das Handwerkliche am Ende umsetzen kann. Gleichermaßen versuche ich Inspirationen und Fertigkeiten von der HCF einfließen zu lassen, damit die Fortentwicklung möglichst facettenreich und vielschichtig bleibt.

CUTwalk: Seit 2003 sind Sie Mitglied des HCF in Deutschland und absolute Top-Akteurin der Marke L´Oréal Professionnel. Dann sind Sie nun in der eher männlich dominierten HCF-Sektion in Deutschland erstmals als Frau an der Spitze! Welchen Weg sind Sie für diesen grandiosen Erfolg gegangen?

Simone Kreischer: Ganz einfach: Ich war oft in Paris und ich spreche sehr gut Französisch (lacht). Nun aber Spaß bei Seite. Für mich war die HCF immer eine feste Institution. Dort war ich seit den Anfängen im artistischen Team, wonach ich später vorgeschlagen wurde und das Amt nun ausübe. Es ist ein wirklich großes Aufgabenfeld, in das ich allmählich hineinwachse. Auf vielen unterschiedlichen Ebenen muss koordiniert und organisiert werden. Die Hauptaufgabe für mich besteht darin, der HCF einen richtungsweisenden Charakter zu verleihen. Es stellt uns vor eine Herausforderung eine Linie zu zeichnen, die repräsentativ für alle Mitglieder ist. Gleichermaßen soll der angegebene Kurs auch ansprechend für neue Mitglieder sein, da es letztlich auch darum geht, diesen Kreis zu weiten und kreativen Impulsen der Modewelt Raum zu lassen. Der Kreis wurde nämlich ursprünglich im Jahr 1945 in Paris gegründet, um Mode in die Salons zu transportieren und Mode zu entwickeln.



CUTwalk: Sie haben am Anfang erwähnt, dass Sie unter der Woche im Salon tätig sind. Wie schaffen Sie das alles? Vor allem zeitlich?

Simone Kreischer: Dafür habe ich das Wochenende (lacht). Ich bin dankbar, dass die Zusammenarbeit mit Martina Acht (Directrice artistique) und André Simon (Trésorier) so ungezwungen ist und sehr gut funktioniert. Generell lässt sich sagen, dass ein sehr ausgewogenes und angenehmes Klima unter den Mitgliedern der HCF herrscht. Jeder bringt mit ein, was er für richtig und wichtig hält. Es gibt keine hierarchischen Strukturen, denn jeder in unserem Team zählt als Individualist und kann seine persönlichen Gedanken und Ideen einfließen lassen. Somit entsteht ein unerschöpflicher Fundus, auf den im Anschluss zurückgegriffen wird.

CUTwalk: Das klingt nach einem weiten Aufgabengebiet. Aus welcher Motivation heraus sind Sie grundsätzlich so vielschichtig engagiert?

Simone Kreischer: Ich denke, es ist immer der Anspruch an mich selbst. Grundsätzlich versuche ich die Dinge, die ich mache oder die ich angetragen bekomme, richtig gut zu machen. Halbherzigkeiten kann ich nichts abgewinnen. Eine Sache weniger gut zu machen oder unvollendet zu lassen, widerstrebt mir sehr. Ich habe meinen Vater auch oftmals im Ohr, der spricht: „So wie man aufhört, so fängt man dann auch wieder an.“ Es wäre für mich sehr unangenehm, wenn etwas schlecht aufhören würde, um danach wieder schlecht anzufangen. Außerdem brauche ich Aufgaben, die mich immer wieder herausfordern.

CUTwalk: Empfinden Sie Ihre Arbeit überhaupt noch als „Arbeit“?

Simone Kreischer: Es hält sich wirklich sehr die Waage. Die Arbeit im Salon empfinde ich nicht als anstrengend, sie hat sich vielmehr zum Ruhepol für mich etabliert. Die Fashion Weeks empfinde ich immer als „noch viel entspannender“ (lacht). Das versteht meist niemand! Aber bei einer Fashion Week dreht sich alles ausschließlich um die jeweiligen Frisuren – ich brauche also an nichts anderes zu denken und muss mich nur auf meine persönliche Arbeit konzentrieren.

CUTwalk: Das lassen wir jetzt einmal so stehen. Wie schaffen Sie Ihren persönlichen Ausgleich? Abgesehen von einem Kurztrip auf die Fashion Week?

Simone Kreischer: (lacht) Durch Freizeit mit meinem Mann, der mir in vielen Situationen eine Stütze ist, da ich durch ihn auch oftmals einen anderen Blick auf das Geschehen erhalte. Mit der Branche selbst hat er nichts zu tun und wir konnten uns im Laufe der Jahre zu einem sehr guten Team entwickeln.

CUTwalk: Eine persönlichere Frage am Ende: Wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Simone Kreischer: Hier. Meine kommende Aufgabe besteht darin, den neueren Salon erst einmal zu optimieren. Für mich ist es wichtig, dabei auch immer direkt im Geschehen zu sein. Außerdem macht es mir auch riesigen Spaß in einem Team zu arbeiten, das harmoniert.

CUTwalk: Ihnen ein herzliches Dankeschön für dieses Interview und weiterhin alles, alles Gute für Ihren Weg!

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