Extravagant und avantgardistisch – Friseur und Designer Charlie Le Mindu

In der sechsten Etage eines Wohnhauses im angesagten Londoner Stadtteil Shoreditch hat Charlie Le Mindu sich in seinem Studio einen gemütlichen Mix aus Wohnen und Arbeiten geschaffen. Über seine neue Kollektion, die sorgsam verhüllt auf einem Kleiderständer und einem Sessel liegt, will der talentierte Haarkünstler auch wenige Tage vor der London Fashion Week noch nichts verraten. Auf einem großen Karton lässt sich „Hairdreams“ entziffern und blondes Haar in einer Papierpackung entdecken. Zwei seiner Mitarbeiter überprüfen noch einmal die Nähte, bevor die auffallenden Roben in unauffälligen Kleidersäcken verschwinden. Nur noch zwei Tage und dann wird Charlie Le Mindu die neue Kollektion seines gleichnamigen Labels einer großen Öffentlichkeit präsentieren. Die Modewelt ist sehr gespannt und die Fotografen versuchen mit allen Mitteln, einen der begehrten Plätze vor dem Catwalk zu ergattern. 

Der 24-jährige Franzose ist Coiffeur und gehört zu den angesagtesten Friseuren und Designern in London. Er frisiert die berühmtesten Köpfe der Welt und sein Modelabel „Charlie Le Mindu“ gilt als Highlight der Fashion Week in London. „Haute Coiffure“ nennt Charlie seine ausgefallenen Kollektionen aus echtem Haar, die ihn schon nach der Premiere 2009 in London weltweit bekannt machten. Mit seinen Kreationen trifft er den Nerv der Zeit. Auch Lady Gaga liebt seine ausgefallenen Arbeiten. In ihrem Musikvideo „Bad Romance“ trägt sie eine seiner Perücken, und das machte Charlie auch in den USA zu einem Star-Stylisten.

Seine Leidenschaft für das Frisieren entdeckte Charlie bereits als Junge, er verpasste seinen Barbiepuppen schon damals perfekte Cuts. In seiner Heimatregion Médoc in Südwest-frankreich machte er eine Ausbildung als Friseur in einem Salon, der überwiegend von älteren Menschen besucht wurde und in dem avant-gardistische Looks weniger gefragt waren. „Nach den Barbiepuppen fing ich mit 13 Jahren an, in einem klassischen Friseursalon zu arbeiten, in Médoc, dort, wo der gute Wein herkommt. Der beste Weg, um alles umzusetzen, was man will, ist, das klassische Handwerk zu erlernen. In erster Linie bin ich Friseur.“ Mit 16 Jahren ging er nach Bordeaux, um zwei Jahre in einem moderneren Salon zu arbeiten, doch auch hier konnte Charlie seine Vorliebe für ausgefallenes Styling nicht ausleben. Deshalb zog er 2008 nach Berlin und mischte als mobiler Friseur in den angesagtesten Clubs und Discos die Partyszene auf. „Berlin ist die eine Stadt, in der alles möglich ist. Dort habe ich alles gefunden, was ich gesucht habe. Berlin bei Tag hat mir damals nicht so gut gefallen wie das Nachtleben, deshalb habe ich als mobiler Friseur in den Nachtclubs gearbeitet. Es gibt dort so viele aufgeschlossene und verrückte Leute, die Zeit war einfach großartig“, beschreibt Charlie seine ersten Schritte in die Selbständigkeit. Das Who Is Who des Undergrounds gehört zu seinen Kunden, unter anderen Peaches, Lady Gaga, Ayumi Hamasaki, Kap Bambino und Adamski.



Kurze Zeit später zieht der Haarkünstler nach London, bekommt ein Engagement als Hair Director beim Super Super Magazine, sammelt Erfahrungen bei Vidal Sassoon und Toni & Guy. Als Coiffeur ist er nach wie vor unterwegs. Er macht seine „Pop Up“-Salons von Zeit zu Zeit in coolen Londoner Locations – seinen legendären Friseurstuhl hat er immer dabei.

Mit seinen ausgefallenen Kreationen wird er zum gefragten Coiffeur Londons. Als ihn ein Freund und Stylist bittet, ihm eine Perücke für eine Modenschau zu kreieren, entdeckt Charlie völlig neue Einsatzmöglichkeiten für Haare. „Haare sind ein sehr edles und hochwertiges Material. Es lässt sich durchaus mit Seide und Kaschmir vergleichen und deshalb eignen sich Haare ausgezeichnet für meine Kollektionen.  Die Tatsache, dass Haare nicht nur auf dem Kopf gut aussehen, hat mich begeistert. Ich erreichte einen Punkt, da fand ich es langweilig, immer nur Haare am Kopf zu frisieren. Deshalb habe ich beschlossen, Kleider aus Haaren zu machen. So kann ich den ganzen Körper bedecken und einfach mehr machen, Größeres entwerfen.“ 

Im Frühjahr 2009 zeigt er seine Debütkollektion für Herbst/Winter auf der London Fashion Week. Charlie Le Mindu ist der einzige Designer, dessen Shows auf Perücken fokussiert sind, und er erlebt eine unerwartete Resonanz, die ihn in der Modewelt über Nacht bekannt macht. Unmittelbar danach erhält er den Auftrag, für Barbie, anlässlich ihres 50. Geburtstages, ein extravagantes Styling zu kreieren. Der legendäre Zopf aus dem Film Rapunzel in Disneyland in Paris folgt. 

Mit seiner Haute Coiffure präsentiert Charlie Le Mindu ein einzigartiges Design, extravagant und avantgardistisch. Der Friseur und Designer entwirft aus 100 Prozent Echthaar von Hairdreams kunstvolle und theatralische Looks. Perücken in übertriebenen Formen und Größen kennzeichnen seinen Stil: Grenzen kennt er nicht. Mit monumentalen Hüten, schrillen Mänteln, Capes, Kleidern und monströsen Lippen beweist der Designer, dass die Gestaltungsmöglichkeiten mit Haaren sehr viel größer sind, als bisher angenommen. „Vor wenigen Tagen hatte ich eine Anfrage von der Formel 1. Über diesen Auftrag kann ich im Augenblick noch nicht mehr verraten, aber es wird sicher spannend“, verspricht Charlie mit einem verschmitzten Lächeln. 



„Mit Hairdreams habe ich einen Partner gefunden, der vieles möglich macht. Die Haare haben eine ausgezeichnete Qualität und sind ungeschlagen gut in der Verarbeitung“, macht Charlie deutlich, der für zigtausende Euro beste Markenqualität von Hairdreams für seine Kollektionen auf der Fashion Week und weitere Events gesponsert bekommt. 

Charlie Le Mindu macht mit schrillen Entwürfen von sich reden und bringt tragbare Mode in die Geschäfte. „Barbican Art Gallery“ präsentierte im Rahmen der Ausstellung „Japanese Fashion Week“ seine haarigen Kunstwerke, und auch im Londoner Nobel-Kaufhaus Harrods gibt es Charlies Perücken als Modeacces-scoire zu kaufen. 

Der große Tag: Charlie Le Mindu präsentiert seine Herbst/Winter-Kollektion 2011 „Berlin Syndrome“. Während draußen vor der angesagten On/Off-Location die gespannten Gäste und zahlreiche Journalisten auf den Einlass warten, bereiten Charlie und sein Team den ersten Probedurchlauf für die Show vor. Seine Reise in die „sexuellen Abgründe“ des zweiten Weltkrieges ist eine Inszenierung, in der weder mit ausdrucksstarken Requisiten wie Gasmaske und Reichsadler noch mit Elementen wie Blut gespart wurde. Die Reaktionen der Zuschauer waren – wie schon bei seinen Präsentationen in den vergangenen Jahren – geteilt: Viele zeigten sich begeistert und einige eher geschockt. Damit hat Charlie Le Mindu sicher auch in diesem Jahr sein Ziel erreicht: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist ihm gewiss.

 

Instagram

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6