„Wir genießen das langjährige Vertrauen unserer Kunden!“ Edina & Michael Peterli

Die Marke Mizutani Scissors birgt mehr als nur eine japanische Schere: Schlagworte wie Tradition, Perfektion und Leidenschaft etablieren einen neuen Qualitätsbegriff, der in der Friseurwelt eine unumstößliche Rolle spielt. Retrospektiv betrachtet verfügen Edina und Michael Peterli über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit japanischen Scheren. Seit 2001 ebneten sie im Zuge der Zusammenarbeit mit dem kleinen Familienunternehmen von Hirokazu Mizutani den Weg für einen Platz in der internationalen Arena. CUTwalk interviewte zwei charismatische Persönlichkeiten, die einmal mehr zeigen, dass mit viel Herzblut und Leidenschaft „die Schere“ zwischen Träumen und Gegebenheiten sehr viel kleiner werden kann.


CUTwalk: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen, mit dem ich auch gleich beginnen möchte. Mizutani entspringt bekanntlich aus einem kleinen Familienunternehmen in Tokio. Wie ist es zu einer Kooperation gekommen?

Michael Peterli: Hirokazu Mizutani war es mit der Firma seines Vaters schon vor unserer Zusammenarbeit gelungen, die Produktionsstätte als Ursprung von Qualitätsscheren festzusetzen. Allerdings beschränkte sich der Bekanntheitsgrad der Scheren nur auf Japan. Zwar wurden die hochwertigen Scheren dort schon als Geheimtipp gehandelt, in Europa jedoch war Mizutani bis dato noch unbekannt. Meine Frau und ich hatten aus japanischen Fachkreisen von ihm gehört und über einen gemeinsamen Freund, der unser Geschäftskonzept bereits kannte, haben wir dann Kontakt aufgenommen.

CUTwalk: Wir sind neugierig: Wie kann man sich ein solches Zusammentreffen vorstellen?

Michael Peterli: Ganz einfach! Hirokazu Mizutani hat uns damals, also 2001, in Baden-Baden Iffezheim mit einem Freund besucht und hat dann am Tisch seine Scheren ausgepackt. Wir waren sofort absolut begeistert, denn sie waren sehr gut entwickelt und hatten eine super Qualität! Sie waren geradezu genial! Aber meine Frau und ich kannten den Friseurmarkt in Europa sehr gut und haben ihm gesagt, was wir aus unserer Erfahrung in der Branche gelernt hatten: ‚Wenn Du internationalen Erfolg willst, dann müssen die Scheren zunächst den Anforderungen des europäischen Friseurmarkts angepasst werden!‘ Und so schlugen wir unseren gemeinsamen Weg ein, auf den wir heute stolz zurückblicken.

CUTwalk: Bedeutet das, dass die Scheren nicht so vermarktet werden konnten, wie sie zu dem Zeitpunkt in Japan angeboten wurden?

Edina Peterli: Richtig. Denn auffallend war, dass die Scheren zwar eine sehr hohe Qualität hatten und von enorm guter Beschaffenheit waren, jedoch zum Beispiel noch nicht einmal einen Markennamen trugen: keine Gravur oder Beschriftung – nichts! Wir haben demnach Hirokazu Mizutani ausführlich beraten und ihm mitgeteilt, dass die Modelle den europäischen Proportionen angepasst werden müssen und so noch nicht salonfähig waren.



CUTwalk: Es war also nicht nur eine graduelle Veränderung?

Michael Peterli: Nein. Denn an den Scheren, die er damals auf dem Tisch vor uns ausbreitete, waren zum Beispiel die Augen zu klein oder die Schneideblätter zu lang. Die Japaner haben nämlich eine ganz andere Fingergröße als beispielsweise Europäer. Entsprechend mussten die Fingerauflagen, die Größe der Ringe, die Ergonomie, usw. angepasst werden. Das ist uns dann ja auch sehr gut gelungen.

CUTwalk: Das hört sich nach vielen Veränderungen an. Hatten Sie nicht die Befürchtung, dass Hirokazu Mizutani Ihre Beurteilung als Kritik empfindet?

Edina Peterli: Im Gegenteil! Sein Hunger nach Design und Innovation war sehr groß. Von der Erfahrung her wussten wir schon damals, wie man eine neue Marke aufbaut, um sie entsprechend in der Branche zu platzieren. Hirokazu Mizutani kam damals ganz bewusst auf uns zu, da er wusste, dass wir auf diesem Gebiet schon sachkundig waren und unsere Erfahrung neue Innovationen schaffen würde. Das Produkt hat sich förmlich für uns entschieden, es hat uns angelacht damals! Hirokazu war sehr offen für jede noch so kleine Anregung, denn sein Anspruch an sich selbst – größer, besser und innovativer zu werden – war immens.

CUTwalk: Haben Sie sich in Ihren Rollen also ergänzt?

Michael Peterli: Ja, denn schon als wir uns kennenlernten, hat man gemerkt wie viel Herzblut in seiner Handwerkskunst steckt. Man spürte sofort: Der brennt dafür! Und dieses Feuer haben wir geschürt. Er war der geniale Produzent und konnte dann von unserer Praxis und unserem Know-how in Bezug auf japanische Scheren schöpfen. Es wurde permanent zwischen uns kommuniziert.
Mit der Unterstützung von vielen Friseuren aus Deutschland wurde verändert, geprüft und wieder neu angepasst. Dabei wurde wirklich jede Randbemerkung ernst genommen. Hirokazu meisterte jede handwerkliche Herausforderung vor die er gestellt wurde und hat sich immer wieder selbst übertroffen.

CUTwalk: Heute gehören die Scheren von Mizutani zu den weltweit am meisten kopierten Markenscheren. Wie gehen Sie damit um?

Edina Peterli: Unser größter Vorteil ist das Vertrauen unserer Kunden, das wir seit vielen Jahren genießen. Das was auf dem Markt so „günstig“ angeboten wird, sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, ist aber keinesfalls gleich! Unsere Scheren werden von anderen asiatischen Anbietern entweder in manchen Teilen, oder sogar eins zu eins kopiert. Dennoch halten die Imitate nie was sie versprechen. Unsere Kunden wissen das und vertrauen beim Kauf einer originalen Schere von Mizutani auf die sehr hohe Qualität, die bei Imitaten einfach nicht gegeben ist.



CUTwalk: Sind demnach Gravuren wie „Made in Japan“ oder Seriennummern also keine zuverlässigen Echtheitsgarantieren?

Michael Peterli: Nein, das wird mittlerweile auch schon kopiert. Die zuverlässigste Echtheitserklärung einer japanischen Schere ist, wenn auf ihrer Verpackung die Homepage, die Adresse oder die Telefonnummer des Herstellers aufgeführt sind. Denn eine angesehene japanische Scherenschmiede überzeugt gerne mit ihrem Namen auf der Verpackung. Derartige Informationen fehlen, wenn Scheren gefälscht sind, da es sich um „irgendwo im Niemandsland“ produzierte Scheren handelt. Die qualitativ minderwertigen Imitate werden des Öfteren über Japan nach Europa verkauft, um so japanischen Ursprung zu suggerieren. Aber es handelt sich dabei um Importe aus China, Korea, Taiwan oder Zentralasien. Diese Billigscheren gleichen optisch den japanischen und originalen Scheren sehr, jedoch ist die Qualität – nicht zuletzt wegen der schlechten Herstellung, Verarbeitung und den minderwertigen Materialien – wirklich so niedrig, dass sie bereits nach kurzer Zeit untauglich sind. Friseurinnen und Friseure lassen sich leider oft von der Optik und dem ersten Eindruck täuschen und erwerben billige Scherenkopien, für die sie auch noch fast genau den gleichen Preis wie für ein Original bezahlen. Von derartigen Problemen sind unsere Kunden nicht betroffen – sie vertrauen uns und wissen: Wer eine Schere bei Mizutani kauft, kauft gleichzeitig einen sehr hohen Qualitätsstandard. Sprich, die Produktionsprozesse knüpfen an jahrzehntelange Traditionen, wobei hochwertige Materialien benutzt und innovativ weiterentwickelt werden. Die Beschaffenheit und Technik unserer Scheren ist dadurch überzeugend und das Design wurde mehrfach ausgezeichnet. Außerdem bieten wir unseren Kunden eine fachgerechte Beratung, persönliche Ansprechpartner und einen kundenfreundlichen Service an.

CUTwalk: Warum sind japanische Scheren im Allgemeinen so beliebt?

Michael Peterli: Einer der Gründe ist vor allem die Qualität. Asiatisches Haar ist um einiges dicker und auch die Schnitttechnik ist anders als in Europa. Dadurch sind in Asien die Anforderungen an Schärfe und Langlebigkeit der Scheren sehr viel höher als in Europa. Zu Beginn war daher die Zusammensetzung des japanischen Stahls „außerirdisch“ auf dem europäischen Markt.

CUTwalk: Wie lange ist die Lebensdauer einer Schere von Mizutani?

Edina Peterli: Mizutani gibt 15-20 Jahre Lebensdauer für die Scheren an, sofern sie  gepflegt und fachgerecht geschliffen werden. Wir bekommen leider täglich Scheren zugeschickt, die unsachgemäß geschliffen und damit zerstört wurden. Daher bieten wir Mizutani-Scheren einen fachgerechten Schleifservice, bei dem alles auf unsere Scheren-marke abgestimmt ist.

CUTwalk: Gibt es keine Möglichkeit, die Scheren bei einem Fehlschliff mit gründlichem Nachschleifen zu retten?

Michael Peterli: Nein, leider nicht. Es ist mir immer wieder unangenehm, den Friseuren erklären zu müssen, dass sich ein falsch ausgeführter Schliff nicht wieder rückgängig machen lässt. Leider gibt es zahlreiche, sehr billige Angebote zum Scherenschleifen, die sich im Nachhinein als sehr teurer Service erweisen.



CUTwalk: Jungen Friseuren fehlen oftmals die finanziellen Möglichkeiten, sich eine hochwertige Schere zu kaufen. Gibt es bei Mizutani auch Hochwertiges für geringes Geld?

Michael Peterli: Ja, natürlich. Wir haben beispielsweise ein Scherenmodell für Lehrlinge, das von Mizutani subventioniert ist. Das liegt preislich niedriger und dennoch bekommt man die Schere in allen Größen, in allen Längen etc. und die hat ebenfalls eine Lebensdauer von bis zu 15 Jahren.

CUTwalk: Ich möchte ein wenig persönlicher werden. Wer von Ihnen ist der größere Perfektionist?

Michael Peterli deutet auf seine Frau.

Edina Peterli: (lacht) Dafür kriege ich auch immer Schelte! Ja! Es müssen alle, auch die japanischen Kollegen, damit kämpfen. Ihnen steht da schon manchmal der Schweiß auf der Stirn.

CUTwalk: Wie gut kennen sie Tokio denn mittlerweile?

Edina Peterli: Tokio kennen wir gut (lacht)! Im Arbeitsalltag steht meist der konstruktive Gedankenaustausch und Dialog mit den Mitarbeitern an. Da merkt man gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Es gibt dann vielleicht einen halben Samstag, den wir für Freizeit nutzen. Da lassen wir uns von bestimmten Stadtvierteln inspirieren, beispielsweise Aoyama: Dort gibt es eine Straße mit 200 Friseursalons! Alle in einer Reihe, über drei Etagen: und alle voll! Das ist dann unglaublich.

CUTwalk: Wenn man das rein Geschäftliche beiseitelässt: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Familie Mizutani beschreiben?

Edina Peterli: Man sollte sich wirklich vor Augen halten, dass es sich bei Mizutani um einen Familienbetrieb handelt und eine klare Trennung zwischen Geschäftlichem und Familiären daher nicht erfolgen kann. Durch die enge und intensive Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren, waren wir also mit einem Besuch im Handwerksbetrieb, inmitten des Familiengeschehens. Aus der engen geschäftlichen Beziehung ist natürlicherweise auch ein familiäres Verhältnis geworden. Ich singe zum Beispiel sehr gerne die Geburtstagsständchen und ab zu bekomme ich ein kleines Video von den Kindern, in dem sie etwas vorsingen oder tanzen. Dass wir geschäftlich miteinander zu tun haben, ist dann wirklich nebensächlich. Auch an Weihnachten machen wir den Kindern gerne eine Freude und schicken ihnen Weihnachtsgebäck.

CUTwalk: Zu Ihrem persönlichen Alltag: Gibt es eigentlich eine feste Aufgabenteilung zwischen Ihnen?

Michael Peterli: Sicher gibt es eine Aufgabenteilung zwischen uns und die hat sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert. Unsere Arbeit verlangt sehr viel technisches Geschick, Präzision und Perfektion. Diese Eigenheiten resultieren aus jahrelanger Erfahrung, da die Anforderungen in unserem Arbeitsbereich sehr vielschichtig sind. Jeder von uns – sowohl meine Frau, als auch ich –
konnte sich in seinem Bereich zum Experten entwickeln, der mit seinem angeeigneten Fachwissen an der Erreichung der gemeinsamen Ziele arbeitet.  

CUTwalk: Ihnen ein herzliches Dankeschön für dieses Interview und weiterhin alles, alles Gute für Ihren Weg!

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